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Wilma erzählt! - Teil 1, Jahr 2011

Wirtin Wilma erzählt aus vergangenen Tagen

Liebe Gäste! In der ersten Ausgabe des „Hohenhauser“ möchte ich euch über meine Eltern und die ersten Gäste im Hohenhaus erzählen.

Der kleine Bergbauernhof zu Hohenhaus wurde von meinen Eltern Anna und Hermann Wechselberger in mühevoller Arbeit zur „Fremdenpension“ ausgebaut und ständig weiterentwickelt. Das erste private Hallenschwimmbad des gesamten Bezirkes wurde 1965 errichtet. Ebenso wie Zimmer mit „fließendem Wasser“. 1920 kamen die ersten Touristen auf Sommerfrische oder zum Bergsteigen in den damals noch nicht sehr komfortablen „Erbhof Hohenhaus“.

Zu dieser Zeit war das Hintertuxer Thermalbad ein besonderer Anziehungspunkt. Dem Hintertuxer Wasser wurde heilende Wirkungen bei allen möglichen Beschwerden nachgesagt. Unsere ersten Stammgäste waren die Familie Steinlechner aus Wattens in Tirol.Damals gab es noch keine Straße in das Tuxertal und so kam die Familie in einem anstrengenden Tagesmarsch durch die „Wattener Lizum“ (ein Seitental vom Inntal), über den Geier- und Wandspitz nach Hintertux. Die damals sehr junge Tochter Agnes Steinlechner hielt uns über 75 Jahre die Treue, bevor sie im stolzen Alter von 96 Jahren verstarb.

In den 60er Jahren wurden die Wintersaisonen durch den Bau der ersten Liftanlagen in Hintertux immer attraktiver. Mein Vater Hermann war ein großer Pionier und der Zeit weit voraus. Er war auch maßgeblich an der Gründung und Weiterentwicklung der Bahn beteiligt. Bereits 1949 wurde der erste Sessellift in Hintertux errichtet. Die „Bahn“ wurde Ende der 60er Jahre zum ersten Tiroler Gletscherskigebiet und der Hintertuxer Gletscher ist nach wie vor das einzige Ganzjahres Skigebiet in Österreich.

Meine Mutter Anna entstammt dem Nennerhof in Hintertux. Sie verstarb nach schwerer Krankheit im März 1978. Mein Vater Hermann kam als Vollwaise nach Hintertux, wo er von der Hohenhaus Bäuerin adoptiert wurde. Er verstarb kurz nach meiner Mutter nach einem Herzinfarkt im September 1978.

Von da an lag es an mir, den Betrieb weiterzuentwickeln. Diese und andere Geschichten erzähle ich euch in den nächsten Ausgaben des „Hohenhauser“. Bleibt gesund und besucht uns bald wieder.

Eure Wilma Egger

Wilma erzählt! - Teil 2, Jahr 2013

Fortsetzung der Entstehungsgeschichte

Nun lag es an mir, die aus den fünfziger Jahren stammende und nicht mehr zeitgemäße „Pension Hohenhaus“ (ohne Stern) auf Vordermann zu bringen und daraus ein Hotel zu errichten. Und so habe ich 1980 diesen großen Schritt gewagt und das 4-Sterne Hotel Hohenhaus mit 130 Betten neu gebaut. In vielen Teilen war das neue Hotel Hohenhaus Vorreiter in der gesamten Branche. So haben wir zum Beispiel die Kaminhalle und die Jägerstube mit dem Altholz unseres alten Kuhstalles errichtet. Wir haben als erstes Hotel weltweit ausschließlich Sparlampen eingebaut. Auch das damals neue System der Wärmepumpe wurde eingebaut, hat aber leider nie richtig funktioniert. Der erste Seminarraum in der gesamten Region wurde eingerichtet und jedes Zimmer verfügte damals schon über ein TV Gerät (ohne Fernbedienung und nur mit 2 ORF Programmen) und einen Zimmersafe. Satellitenprogramme gab es noch nicht.

Und diese Investition hatte ihren Preis und der Kredit rund 12% Zinsbelastung. Die ersten Jahre waren sehr schwer und arbeitsintensiv. Durch den geringen Mitarbeiterstand von nur 13 Mitarbeitern (mehr konnte ich mir nicht leisten) war ich praktisch Tag und Nacht an 365 Tagen im Einsatz. Vom Zimmerreinigen, Geschirr spülen, Bardienst, Küchendienst bis hin zur Buchhaltung und der Korrespondenz.

Wo Not am Mann/Frau war, musste ich einspringen. Auch die Belegung war in den ersten beiden Jahren dürftig, weil sich viele Stammgäste den Preissprung von der Privatpension mit Fließwasserzimmern zum 4-Sterne Hotel nicht leisten konnten. Das war auch für mich persönlich schwer, da mir viele dieser Stammgäste sehr ans Herz gewachsen waren. Es dauerte ca. 3 Jahre bis neue Stammgäste das Hotel Hohenhaus  frequentierten. Und so erholten wir uns sehr schnell von der großen Investition und es folgten noch viele weitere, wie die Squashhalle, die Parkgarage, das „Tux 1“ (PapperlaPUB) und ein großer Umbau des Hallenbades (Erlebnisbad El Paradiso).

Das „El Paradiso“ ist mittlerweile dem „Alpenbad Hohenhaus“ und dem Saunadorf „Alt Hintertux“ gewichen. Und so ging es bis zum heutigen Tag weiter und weiter. Ständig wird renoviert und modernisiert. Im vergangenen Sommer haben wir die gesamte Heizungsanlage samt Steuerungen erneuert und auf umweltfreundliche Pellets umgestellt. Im Bereich der Hotelbar wurde eine neue Lüftung eingebaut. Ebenso wurden 12 Zimmer und die WC Anlagen im Parterre auf den neuesten Stand gebracht.

Wilma erzählt! - Teil 3, Jahr 2014

Unsere Familie

Meine Mutter stammt vom „Nennerhof“ in Hintertux. Sie war viele Jahrzehnte als Bäuerin und Wirtin die gute Seele im Hohenhaus. Besonders in den Kriegsjahren musste sie Unglaubliches leisten und viel erdulden. Meine Mutter war eine starke Persönlichkeit und hatte unglaubliche Ausdauer.

Mein Vater verlor als Kleinkind seine Eltern und verbrachte daher seine frühe Kindheit in einem Waisenhaus. Vom Waisenhaus entflohen, ist er über viele Umwege nach Hintertux gekommen, wo er sich versteckt und als Hirtenjunge durchgeschlagen hat. Die kinderlose „Hohenhauser Bäuerin“ hatte  großes Mitleid mit dem total verwahrlosten Kind, sodass sie ihn bei sich aufnahm und
adoptierte. Später überschrieb sie ihm den „Hohenhauserhof“. Mein Vater war Seilbahnpionier der ersten Stunde und maßgeblich an der Erschließung des Hintertuxer Gletschers beteiligt. Ohne sein Wirken gäbe es heute keine Gletscherbahn und wohl kaum Tourismus im Tuxertal. Ich wurde 1940 geboren und bin mit meinen zwei Geschwistern in sehr einfachen und teils ärmlichen Verhältnissen am Bergbauernhof aufgewachsen. Schon im Kindesalter mussten wir hart arbeiten. Dennoch hatten wir eine sehr schöne und unbeschwerte Kindheit. Leider verstarben meine Eltern viel zu früh, innerhalb eines halben Jahres, im Jahre 1978.

Ich als Älteste der drei Schwestern durfte den elterlichen Betrieb mit der Landwirtschaft übernehmen. 1959 heiratete ich den aus Mayrhofen stammenden „Siegeler Max“ Egger. Ihm gehörte der „Siegelerhof“. Nun bewirtschaftet meine Schwiegertochter Antonia die Landwirtschaft in Mayrhofen. Die zum Siegelerhof gehörige Alm und das „Hotel Siegelerhof“ haben wir verpachtet.

Mein Mann Max entstammt einer sehr musikalischen und alt eingesessenen Mayrhofner Familie. Sein Vater hat ihm das Singen und Gitarre spielen beigebracht. Die „Familienmusik Egger“ war die erste Musikgruppe, der er angehörte. Später gründete er mit 2 Freunden das legendäre „Mayrhofner Trio“. In den Fünfziger Jahren waren sie die „Schürzenjäger“ unter den Volksmusikgruppen. Man hörte sie in jedem deutschsprachigen Radiosender, sogar Musiklegende Ernst Mosch hat einige Musiktitel mit dem Trio aufgenommen. Am Kachelofen (Hotelbar) hängen einige Bilder zu diesem Thema. Nach unserer Heirat und einem Sommer in Mayrhofen zogen wir nach Hintertux. Max betreute die Kühe und Schweine am Hohenhauserhof und trat den „Tuxer Sängern“ bei. Über 50 Jahre war diese Musikgruppe sehr beliebt und entsprechend viel unterwegs. Mit seinen 92 Jahren singt Max nach wie vor sehr gerne.

Aus unserer Ehe entstanden 3 Kinder. Die Älteste ist Martina, gefolgt von Hermann, zu guter Letzt kam Sepp. 2012 hat sich Martina mit den „Ferienwohnungen Egger“ ihr eigenes Standbein geschaffen. Nach wie vor macht sie die Buchhaltung im Hohenhaus. Hermann und Sepp haben das Alpenbadhotel Hohenhaus mit den dazugehörigen Betrieben und den Landwirtschaften in Hintertux und Mayrhofen übernommen. Ich habe vier Enkel und einen Urenkel, die mir viel Freude bereiten. Ich freue mich über jeden Tag, in der die Familie gesund ist und wir in Harmonie und Frieden zusammen leben dürfen.

Ich wünsche euch ebenso viel Gesundheit und Harmonie und freue mich auf ein Wiedersehen im Hohenhaus. In der nächsten Ausgabe erzähle ich euch einiges über das Tuxertal, speziell über Hintertux und die Entstehung der Gletscherbahn.

Eure Wilma Egger

Wilma erzählt! - Teil 4, Jahr 2015

„Hoachnhaus Seppal“

In dieser Ausgabe erzähle ich euch eine interessante Geschichte von einem meiner Vorfahren. „Hoachnhaus Seppal“ (Josef Wechselberger) war der geplante Übernehmer des Hohenhauser Hof. Seppal wurde jedoch mehrmals beim Wildern gestellt. Die Jagd war damals den Adeligen und Herrenhäusern vorbehalten, Wilderer wurden mit schwerem Kerker bestraft. Für die einheimische Bevölkerung war es nicht die Trophäe die lockte, sondern das Fleisch der Wildtiere. Für Seppal war das „Einsitzen“ während der Wintermonate nichts schlechtes, denn dort war es warm und es gab etwas zum Essen. Zuhause blieb mehr Nahrung für seine Eltern und Geschwister. Besonders in den Wintermonaten war die Nahrung sehr einseitig und knapp.

Hintertux war das „Armenhaus“ im Zillertal. Jahr für Jahr ging es ums Überleben und Alternativen gab es nicht. Die wilde Natur, die langen Winter und die einseitige Nahrung setzen der Bevölkerung stark zu. Arzt gab es keinen und daher war sehr oft eine Blinddarm Entzündung, ein Knochenbruch oder eine einfache Grippe das Todesurteil.

Hintertux um ca. 1900

Hohenhaus anno 1910

Seppal und seinem Vater Thomas war es nicht bewusst, dass ein überführter „Verbrecher“ den Hof nicht übernehmen konnte. Aus dieser bitteren Erkenntnis heraus musste Seppal den Hohenhauser Hof verlassen. Sein Vater übergab ihm alle Ersparnisse, damit es seinem Sohn überhaupt möglich war, aus dem Zillertal hinaus zu kommen.

Viele Jahre haben die Hohenhauser nichts von Seppal gehört. Im Februar 1913 kam ein Brief mit einem eigenartigen, unbekanntem Absender: Leadville, Colorado, Box 506

Ich grüße Dich, mein Vater!

Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr müsst nicht zu viel Not leiden. Ich hoffe auch, dass ihr alle gesund seid. Ich bin nach Colorado ausgewandert. Von der amerikanischen Regierung habe ich mehr Grund und Boden bekommen, als alle Hintertuxer Bauern zusammen besitzen. Und wegen dem Wildern muss ich auch nicht mehr in das Gefängnis, weil ich die Rehe und Hirsche vom Küchenfenster aus schießen kann! Ich bin mit einer Indianerin verheiratet, wir haben sieben gesunde Kinder. Per Anweisung schicke euch 320 Dollar, das ist der Wert von 1.000 Kronen. Ihr habt das Geld viel nötiger als ich. Ich danke Dir mein Leben lang und wünsche euch Wohlstand und Gesundheit.

Euer Seppal.

Im Brief war ein Bild von Seppal mit seiner Familie. Alle saßen oder standen auf einem Mähdrescher! Nie zuvor hatte ein Hintertuxer einen Mähdrescher gesehen. Diese Zeilen haben meinen Vater so beeindruckt, dass es sein größter Wunsch war, diese starke Persönlichkeit kennenzulernen. Leider kam es nicht mehr dazu, weil mein Vater viel zu früh verstorben ist.

Thomas Wechselberger übergab den Hohenhauser Hof an seine Tochter Maria, da alle männlichen Geschwister nicht mehr am Leben waren. Maria war ledig und hatte keine Kinder. Sie adoptiere meinen Vater, der bereits im Kindesalter Vollwaise war. So wurde er der Bauer am Hohenhauser Hof.

Hohenhaus Maria und ein einheimischer Junge

Wilma erzählt! - Teil 5, Jahr 2016/2017

„Meine Kindheit“

Ich wurde als älteste von drei Töchtern am 28.08.1940 geboren. Meine Schwester Ilse kam 1943 zur Welt, Christl folgte 1950.

Meine Kindheit war von Armut, harter Arbeit, jedoch auch von der Geborgenheit im Familienkreis am Hohenhauser Hof geprägt. Es gab kein fließendes Wasser und keine Zentralheizung. Auf dem Balkon war ein “Plumpsklo”. In meinen ersten Lebensjahren kann ich nicht daran erinnern, meinen Vater gesehen zu haben. 1942 musste er in den Krieg. Für meine Mutter war diese Zeit die härteste Zeit in ihrem Leben. Alleine musste sie die harte Männerarbeit bewältigen. Die Winter waren schneereich und kalt, das Essen einseitig und knapp.

Im Sommer 1946 waren wir gerade bei der Heuernte, als zwei unheimliche Männer auf uns zu kamen. Meine Schwester Ilse und ich fürchteten uns sehr vor diesen dunklen Gestalten, doch unsere Mutter lief den Männern entgegen und umarmte einen davon. Es war unser Vater, der aus der Kriegsgefangenschaft in Russland geflohen war. Die ersten gemeinsamen Tage waren ungewohnt, weil er in unseren Augen ein Fremder war. Für unsere Mutter war es wahrscheinlich das größte Glück in ihrem Leben. Lange wusste sie nicht, ob er überhaupt noch am Leben war. Einige Zeit später kam die Gendarmerie und verhafteten ihn. Er musste zur Zwangsarbeit nach Brixlegg, wo er in einem Straflager inhaftiert war.

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Ab 1946 durfte ich die Schule besuchen. Dort wo sich heute der “Minimarkt” in Hintertux befindet, war das Schulhaus. Es gab nur eine Klasse, in der alle 8 Schulstufen untergebracht waren. Der Lehrer war sehr streng, wir hatten großen Respekt. Bevor ich am Morgen zur Schule ging, musste ich im Stall die Ziegen füttern und melken. Später, als meine jüngere Schwester Ilse groß genug war, war ich für die Kühe und Ilse für die Ziegen zuständig. Im Sommer halfen wir bei der Feldarbeit, im Stall und im Haushalt mit. Besonders im Winter hatten wir aber auch schöne Zeiten. Positiv ist mir in Erinnerung, wie wir jeden Sonntag zum Gottesdienst nach Lanersbach rodeln durften. Nie werde ich den Duft der warmen Semmeln vergessen, die wir nach dem Kirchenbesuch in der Bäckerei bekommen haben.
Und so vergingen die Jahre, wir wurden erwachsen und aus dem kleinen Bergbauernhof mit drei Gästezimmern wurde eine “Fremden-Pension”, später ein Hotel.

In der nächsten Ausgabe werde ich Euch von der Entstehung der Gletscherbahn erzählen, an der mein Vater maßgeblich beteiligt war.

Ich wünsche Euch Glück und Gesundheit und würde mich sehr über Euren Besuch im Hohenhaus freuen.

Eure Wilma Egger.

ALPENBAD HOTEL HOHENHAUS

Familie Egger
Hohenhausgasse 774
A-6294 Hintertux – Zillertal – Tirol
Tel:+43 5287 8501
eMail: info@hohenhaus.at